Das Dilemma mit der Porträtfotografie

Das Dilemma mit der Porträtfotografie

„Pest oder Cholera“ oder "Was haben Politik und Porträtfotografie gemeinsam"

Die Wahlbeteiligung ist in vielen westlichen Demokratien rückläufig. Haben Sie manchmal auch das Gefühl, dass Parteiprogramme genauso wenig Profil wie deren Repräsentanten haben? Wem sollen Sie Ihre Stimme geben. Von keiner der Parteien fühlen Sie sich in Ihren persönlichen Anliegen wirklich vertreten oder trauen es keinem Kandidaten zu, die aktuellen Probleme wirklich lösen zu wollen/können. Sie haben das (demokratische) Recht zu wählen, können sich aber nicht entscheiden, wen. Hatten Sie sich auch einmal gefragt, welche Wahl das kleinere Übel darstellen könnte? Pest oder Cholera. Im Zweifel entscheiden sich viele für die letzte mögliche Variante. Sie gehen gar nicht zur Wahl und wechseln ins Lager der Nichtwähler.

Bei der Porträtfotografie ist es manchmal ähnlich.

Vor vielen Jahren, als ich mich selbst noch nicht mit Porträtfotografie beschäftigt habe, hat mich ein Fotostudio kontaktiert und mir angeboten, für das Fotoarchiv der österreichischen Zeitungen und Presseagenturen Porträts von mir zu erstellen, weil es Anfragen durch diverse Medien gegeben haben soll und kein Bildmaterial vorhanden ist. Viel später habe ich erkannt, dass das ein billiger Verkaufstrick ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eine Porträtsession im Studio.

Das erste Mal. Diesmal keine Passbilder. Es war für mich etwas ganz Neues. Ich dachte, ein gutes Porträt vom Profi kann man immer gebrauchen. Das Fotoshooting hat vielleicht eine knappe halbe Stunde gedauert. Wie oft die Fotografin in der Zeit den Auslöser gedrückt hat, darauf habe ich natürlich nicht geachtet, aber am Ende der Sitzung (ich musste sitzen) sah ich mich mit einer Auswahl an vielleicht 20 Fotos konfrontiert.

Bis zu diesem Augenblick hatte ich in meinem Leben noch nie das Gefühl, nicht fotogen zu sein. Unzählige Male habe ich die mir präsentierte Galerie mit Fotos eines mir sonst vertrauten Gesichts, das mir jetzt etwas fremd erschien, vorwärts und rückwärts durchgesehen. In der Hoffnung doch ein Bild von mir zu finden, durch das ich mich „repräsentiert“ gesehen hätte.

Es gab kein „bestes Foto“. Jedes einzelne Bild ließ im ersten Moment in mir die Befürchtung wachsen, meine Umwelt nimmt mich so wahr, nur ich habe das bis dato nicht bemerkt. Diese Befürchtung ist dann der Erkenntnis gewichen, ich habe den so wichtigen Termin total versemmelt. Es ist meine Schuld, dass die Bilder so geworden sind.

Eigentlich wollte ich gar kein Foto aus dieser schrecklichen Serie haben. Aber ich hatte den Fototermin gebucht. Und verpatzt habe ich ihn auch. Also  musste ich jetzt auch eine Wahl treffen. Pest oder Cholera. Und dafür auch noch bezahlen. Selber schuld!

In den letzten Jahren hatte ich viele Menschen vor der Kamera, die ähnliche Erlebnisse in einem Fotostudio hatten und sich geschworen haben: „Nie wieder Fotostudio“. Also quasi beschlossen haben, ins Nichtwähler-Lager zu wechseln mit dem Credo: „Ein Selfie mit dem Handy ist bedeutend besser und auch wesentlich günstiger“.

Die wahren Schuldigen für schlechte Porträts stehen nicht vor, sonder hinter der Kamera

Bei so manchen Fotografen, die mit ihrem Portfolio nahezu jedes Genre abzudecken versuchen, was fotografisch möglich ist, werden Sie nach einer Fotosession in den meisten Fällen auch Schuldgefühle  und „die Qual der Wahl“ haben. Aber nicht im positiven Sinne.

Sie werden nach der Fotosession meist vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie dürfen aus den Fotos, die der Fotograf von Ihnen in der durch Ihre Buchung bestimmten Zeit geschossen hat, auswählen. Ob Ihnen die Fotos gefallen oder nicht, ist dann nicht die Frage. Pest oder Cholera. Das eine oder andere Foto werden Sie nehmen. Schließlich haben Sie dafür bezahlt. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.

Die Lösung wäre ganz einfach.

Die meisten Menschen, die nicht berufsbedingt (Model, Schauspieler etc.) regelmäßig vor der Kamera stehen, fühlen sich nicht wohl, wenn das Objektiv einer Kamera auf sie zeigt. Sie sind nervös, verkrampft und es braucht einige Zeit, bis sie wieder in der Lage sind, sich so zu verhalten, als wäre keine Kamera anwesend.

Porträts im Speziellen erfordern ein großes Maß an Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen vom Fotografen. Ein gutes Porträt kann erst dann entstehen, wenn die Atmosphäre entspannt ist und zwischen Fotograf und Model Vertrauen herrscht.

Porträts entstehen nicht in der Kamera sondern auf beiden Seiten davon.

Edward Steichen, Fotograf

Unabhängig von den Fähigkeiten des Fotografen, diese Vertrauensbasis zu schaffen oder dem Model die Angst vor der Kamera zu nehmen, kann man nicht erwarten, dass das für jede Person in 30 oder 60 Minuten funktioniert. Manche Menschen brauchen vielleicht Stunden, andere vereinnahmen die Kamera für sich bereits in der ersten halben Stunde. Je nach Tagesverfassung oder Typ.

Ein Fotograf der Headshot Crew, als Spezialist für Headshots und Porträts, ist zugleich auch Ihr Coach während der Fotosession. Meine Fotosessions haben ein klares Ziel. Sie verlassen das Studio mit den besten Fotos von sich, die Sie je hatten und die Fotosession ist dann zu Ende, wenn wir beide mit dem Ergebnis zufrieden sind. Egal wie lange das dauert. Das ist ein Versprechen.

Und kein „Taxameter“ tickt nebenbei.

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