Headshot und Porträt – Wo ist der Unterschied

Headshot und Porträt – Wo ist der Unterschied

Der Begriff „Headshot“ allein wird hierzulande entweder mit martialischen Computerspielen oder einer bestimmte Art einen Joint zu rauchen verbunden. Das zeigen die Suchbegriffe, die Google dazu vorschlägt. Mit Fotografie assoziieren das nur wenige eingeweihte.

Wenn dann der Kontext mit Porträt klar ist und man einen Headshot vor Augen hat, kommt meist die lapidare Bemerkung, „Aha, Du meinst ein Porträt!

Auch in Gesprächen mit anderen Fotografen habe ich das Gefühl, dass selbst in dieser Runde noch einige Verwirrung über den Unterschied zwischen Headshot und Porträt herrscht. Hier taucht auch immer wieder die Meinung auf, dass lediglich etwas Altbekanntes mit einem anderen Etikett versehen wurde und nun als *Neu* vermarktet wird.

Als ich das erste Mal mit dem Begriff „Headshot“ konfrontiert wurde, konnte ich auch nur vage einen Unterschied festmachen. Erst nachdem ich mich intensiver damit beschäftigt habe, lichtete sich der Nebel.

EIN HEADSHOT IST NICHTS NEUES.

Das stimmt. Etwas Bekanntes hat nun einen Namen bekommen und ist direkt adressierbar. Weil ich die Verwirrung verstehe, möchte ich hier gleich eines klarstellen:

Ein Headshot IST ein Porträt

Und zwar eines mit engen Richtlinien und Eigenschaften, also eine ganz spezielle Art von Porträt.

Aber NICHT JEDES Porträt ist ein Headshot

Ist die Verwirrung nun komplett? Ich versuche den Knoten aufzulösen. Die Eingangsfrage müsste also ganz einfach lauten:

Was unterscheidet einen HEADSHOT von den vielen anderen Arten von PORTRÄTS“. Was macht diese Art von Porträt so besonders.

Der klassische Headshot wird vorzugsweise in einer Umgebung aufgenommen, in der der Fotograf die vollkommene Kontrolle über das Licht hat, wie das beispielsweise in einem Studio der Fall ist. 

Das ist zunächst einmal aber nichts Besonderes.

Aber dann gibt es ein paar wichtige Details, die beim Betrachten eines Headshots sofort ins Auge stechen. Durch diese Merkmale beginnt sich ein Headshot von anderen Porträts zu unterscheiden.

  • Der Hintergrund ist einfärbig und neutral gehalten
  • Die Kleidung des Protagonisten hat weder grelle Farben noch auffällige Muster
  • Die Person trägt kein auffälliges Make-Up und kaum Schmuck.
  • Der Zuschnitt des Bildes ist sehr eng am Kopf, oft fehlt oben ein Stück
  • Vom Körper ist wenig zu sehen, maximal Hals und Schultern
  • Der Fokus liegt am Gesicht und die Person blickt direkt in die Kamera.

Dies sind ganz wichtige Details, die man im Hinterkopf behalten muss, wenn man andere Arten von Porträts zum Vergleich betrachtet. Viele der klassischen Porträts haben nicht so enge Richtlinien und Einschränkungen wie ein Headshot. Dazu mehr weiter unten.

Das wichtigste Bildelement bei einem Headshot ist somit das Gesicht und die Mimik, die vor allem durch Augen, Augenbrauen und Mund gebildet wird.

Der Betrachter muss der abgebildeten Person in die Augen sehen können. So, als stünde er wie bei einem persönlichen Gespräch ihr gegenüber. Er soll den Gesichtsausdruck sehen, richtig interpretieren können und damit ein Gefühl dafür bekommen, wer diese Person ist.

Emotionen sind erwünscht

Ein Passbild ist auch ein Porträt. Klar. Emotionen wie Lächeln sind dort aber nicht erwünscht. Ein Headshot hat aber genau diese Aufgabe, jene Emotionen in Ihrem Gesicht zu zeigen, die zu Ihrem Image, dem gewünschten Statement oder beruflichen Kontext passen.

Hier sind dann ganz spezielle Fertigkeiten und Fähigkeiten beim Fotografen gefordert. Diese Emotionen in Ihnen zu wecken, zu erkennen und auch festzuhalten.

Wenn ein potenzieller Kunde, ein möglicher neuer Kontakt, jemand der Sie noch nie zuvor gesehen hat, nun Ihr Profil besucht und Ihren Headshot zum ersten Mal sieht, entspricht das einer inoffiziellen Vorstellung Ihrer Person (bei der Sie persönlich nicht anwesend sind). Deshalb ist es wichtig, dann einen guten Eindruck zu hinterlassen. Eben diesen wichtigen ersten Eindruck.

Alles was in diesem engen Bildausschnitt vom HEADSHOT zu sehen ist, soll dieses Ziel unterstützen, weshalb es wichtig ist, visuelle Ablenkungen – wie glänzender Schmuck, übertriebenes Make-Up oder stark gemusterte Kleidung – aus dem Blickfeld zu verbannen.

Ein Bild, das eine Person zeigt, ist ein Porträt.

Sobald die Aufnahme einen größeren Bildausschnitt als das Gesicht erfasst, kann nicht mehr von einem Headshot gesprochen werden. Hier wird es auch schwieriger, einen Blickkontakt herzustellen, weil das Gesicht dann nur einen kleineren Bildbereich am Foto darstellt und vielleicht auch schlechter zu erkennen ist.

Automatisch rücken dann andere Bildelemente in das Blickfeld des Betrachters, bekommen Kleidung oder Accessoires mehr Gewicht und verändert auch die Umgebung die Bildaussage.

Das sind dann auch die Fotos, bei denen der Fotograf seiner Kreativität freien Lauf lassen kann und die künstlerische Note überwiegt. Ganz im Gegensatz zum Porträt. Diese Fotos sind ideal für alles Andere, was mit anderen Bildinhalten zu tun hat – Beiträge in sozialen Medien, Bilder für Plakate und Roll-Ups für Kongresse und Ausstellungen sowie Buchumschläge, Coverfotos von Zeitschriften und andere Drucksorten, wo das Gesicht nicht im Mittelpunkt steht. Hier soll auch unbedingt Kleidung und Accessoires gewählt werden, die der gewünschten Bildaussage zuträglich sind.

So, abschließend kann es noch ein wenig verwirrend werden. Ist mir aber wichtig, noch zu erwähnen:

JA, jedes Porträt KANN auch als Headshots verwendet werden. ABER nur dann, wenn das Porträt eng auf das Gesicht zugeschnitten wird, die Person in die Kamera schaut und die Ablenkungen im verbleibenden Bildausschnitt nur minimal sind.

Ich hoffe das ergibt für Sie einen Sinn und die Eingangsfrage ist beantwortet!

Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, freue ich mich über Ihre Kontaktaufnahme.

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